Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Benutzerspezifische Werkzeuge

So finden Sie uns

Praxis
Prof. Dr. med.
Renzo Brun del Re

Aarbergergasse 30
3011 Bern

Tel: 031/311 59 29
Fax:031/312 39 31

renzo.brundelre@hin.ch
 

Studentenausbildung zum Nulltarif

Studentenausbildung in der Privatpraxis und am Belegarztspital

Die Rolle des Belegarztes aus akademischer Sicht

Jeden Donnerstag rücken sie in 6-er Gruppen mit ihren jetzt so modernen, vollgepackten Rucksäcken in der Praxis an, aus denen sie ihre immer leicht zerknitterten Ärztemätel ziehen (Abb. 1). Noch etwas linkisch begrüssen sie die Patientin oder Schwangere, die speziell für sie in die Praxis gekommen ist. Unsicher beginnen sie, die allgemeine, gynäkologische und geburtshilfliche Anamnese zu erheben. Gehemmt erfragen sie die Blutungsstärke bei der Periode. Sie machen Schwangerschaftsteste, kontrollieren Scheidensekretausstriche, suchen nach Pilzfäden und stellen die Diagnose einer Aminkolpitis.


Studentenausbildung in der Praxis Prof. R. Brun del Re
Lernen mit Freude in entspannter Atmosphäre

Sie berechnen immer sicherer anhand der Schwangerschaftsscheibe Geburtstermine und Schwangerschaftswochen. Sie erfahren die Problematik der pränatalen Diagnostik im Gespräch mit der Schwangeren. Sie geben fiktive Bestellungen bei der Apotheke für Chemikalien, die für die gynäkologische Untersuchung benötigt werden auf. Sie erleben Empathie. Sie kämpfen mit ihren Emotionen. Sie glauben, die Freude an einem Neugeborenen mit einer glücklichen Mutter zu teilen und sind erschüttert, von ihr erfahren zu müssen, dass sie am gleichen Tag von ihrem Kind Abschied nehmen wird, da sie es zur Adoption frei gegeben hat.

top

Sie sind beeindruckt, wenn sie bei einem Kaiserschnitt am Operationstisch dabei sein können und vom Pädiater die Erstuntersuchung des eben Neugeborenen erklärt bekommen. Sie sind iriitiert und mitgenommen, wenn der nächste Eingriff auf dem Operationsprogramm ein Schwangerschaftsabbruch ist. Sie hören der Ąrztin, Mutter von drei Kindern, die eben wieder im Wochenbett ist, interessiert zu, wie es möglich ist, neben den Familienaufgaben einen Facharzttitel zu erlangen. Sie erleben, im Gespräch mit einer jungen Juristin in leitender Stellung, was die Diagnose eines Mammakarzinoms für ihre berufliche Karriere bedeutet.

Eigene Erfahrungen sammeln im OP
Engagierte Beobachter am Operationstisch

Von meinen 3 Praxisassistentinnen und der Hauswartin, die als fiktive Patientinnen trainiert sind, werden sie mit Telefonanrufen in Trab gehalten. Sie verzweifeln, wenn sie telefonisch eine Anamnese aufgenommen und Ratschläge erteilt haben und nach dem Aufhängen des Höhrers bemerken, dass ihre Beratung nicht korrekt war, aber dass sie vergessen haben, den Namen der Patientin und ihre Telefonnummer zu notieren. Sie organisieren telefonisch eine notfallmässige Einweisung ins Zentrumsspital, versuchen die Fragen des Dienstarztes zu beantworten.

Sie kommen ins Schwitzen, da die Ambulanz das Haus der Patientin nicht findet, weil die Angaben nicht detailliert genug waren. Sie lernen auf der Packung die Art und Zusammensetzung von Ovulationshemmern zu entziffern. Sie beobachten anhand von Modellen die Einlage der verschiedenen Spiralen. Sie erlangen die Fähigkeit KommilitonInnen anderer Studienrichtungen zuverlässig über alle konzeptionellen Methoden, mit deren Sicherheit, Vor- und Nachteilen zu beraten.


Besprechung der Ergebnisse
Interessiert wird das neue Wissen aufgenommen


Immer wieder ist es beglückend, wie die anderen BelegärztInnen am Lindenhofspital Bern bereit sind, ihre Krankheitsfälle den Gruppen zu erklären und wie das Pflege- und Narkoseteam sich bemüht, ihnen das 1x1 des Verhaltens im Operationssaal beizubringen. Nach 6 Nachmittagen sind die StudentInnen kaum mehr wieder zu erkennen. Sie wirken professionell, ohne ihre jugendliche Frische und ihre Emotionaliät verloren zu haben.


All dies bedeutet für mich als Belegarzt mit eigener Praxis, dass ich zusammengerechnet während 3 Wochen die Praxis für den Gruppenunterricht schliesse. Der Unterrichtung erfolgt ohne finanzielle Entschädigung. Eigenartig, wenn man weiss, dass zum Beispiel das Inselspital Bern 95 Mio Franken pro Jahr für Lehre und Forschung erhält. Eine spontane Ąusserung wie: "Es war bis jetzt der schünste Tag in meinem Studium", ist zwar eine grosse Anerkennung des Engagements, im Zeitalter des TarMed aber kaum mehr genügend. Das Ausbildungspotential und die Bereitschaft der Privatspitäler für die Studentenausbildung wäre enorm. Es ist aber klar, dass für diese Arbeit der Staat auch seinen "Sockelbeitrag" leisten müsste.


Prof. Dr. Renzo Brun del Re
Gynäkologe, Bern

top